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01.06.10 09:34 Alter: 98 days

Keine Produktqualität ohne Nahtqualität

Kategorie: GROUP Presse national

 

Unser Leben steht in engem Zusammenhang mit genähten Produkten – wir begegnen ihnen fast auf Schritt und Tritt. Die Bettwäsche, in der wir morgens erwachen und Handtücher, mit denen wir uns abtrocknen. Die Kleidung, in der wir uns wohl fühlen oder die ein bestimmtes Auftreten unterstreichen soll. Der Autositz, welcher bequem sein muss und der Airbag, den wir (hoffentlich) nie zu sehen bekommen, uns aber das Leben retten kann. Die Liste der Gegenstände und damit verbundenen Nähte kann endlos fortgesetzt werden, ebenso wie die Anforderungen, die sie erfüllen müssen und deren Erfüllung als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Erst wenn eine Naht den Erwartungen nicht (mehr) gerecht wird, werden wir auf sie aufmerksam. Insbesondere in Anwendungsbereichen, in welchen Nähte und somit die damit versehenen Gegenstände eine Schutzfunktion für den Menschen darstellen, gelten höchste Anforderungen an Material und Nahtqualität.

Ein Beitrag von Anita Buzengeiger-Mahncke (AMANN GROUP)

PSA – diese drei Buchstaben stehen für ein wichtiges Segment der Konfektion und eine große Vielfalt unterschiedlichster Modelle und Anforderungen. PSA ist die Abkürzung für Persönliche SchutzAusrüstung und hat ein außerordentlich breites Anwendungsspektrum, von der Feuerwehr über Forst- und Landwirtschaft, die Bauwirtschaft bis hin zum Katastrophenschutz und weiteren Einsatzgebieten. Sie umfasst die Bereiche Schutzkleidung, Arbeitskleidung und Berufskleidung.

Individuelle Anforderungsprofile 

Schutzkleidung soll den Menschen vor schädigenden oder auch lebensbedrohlichen Einwirkungen bei der Arbeit schützen und muss höchste Anforderungen erfüllen. Sie muss vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt und vom Arbeitnehmer benutzt werden.

Arbeitskleidung wird anstelle, in Ergänzung oder zum Schutz der Privatkleidung bei der Arbeit getragen und hat keine spezifische Schutzfunktion gegen schädigende Einflüsse. Hierzu gehört z.B. der „blaue Anton“ für Handwerker.

Berufskleidung hat ebenfalls keine spezielle Schutzfunktion und unterscheidet sich von der Arbeitskleidung nur dadurch, dass sie berufsspezifisch als Standes- oder Dienstkleidung getragen wird. Hierzu gehören z.B. alle Uniformen.

Funktionale Aspekte

Für die Fertigung von PSA gelten besondere Normen, Gesetze und sicherheitstechnische Regelungen. Vor allem bei Schutzkleidung ist die Konfektion durch eine Vielzahl von Vorschriften und exakten Qualitätskennwerten streng reglementiert. Neben der allgemeinen Schutzfunktion haben Arbeits- und Berufskleidung eine weitere wichtige Funktion: Hier soll die Kleidung die Identifikation des Arbeitnehmers mit dem Unternehmen unterstützen und beim Kunden für einen einheitlichen, wirkungsvollen Auftritt sorgen. Zusätzlich sind die Anforderungen von Gebrauchswert und Tragekomfort zu erfüllen. Die hohe Anzahl an Gebrauchs- und Pflegezyklen, die aus ökonomischen Gründen geboten ist, und die anspruchsvollen Bedingungen der Industriewäsche stellen dabei eine besondere Herausforderung dar. Aussehen, Gebrauchsqualität und Funktionalität müssen auch nach dem intensivem Gebrauch und vielen Wäschen einwandfrei sein.

Nachbesserung: oft aufwendig und teuer

Naht- und Produktqualität sind eng miteinander verbunden. Eine gerissene Schließnaht an einer Hose, eine zerscheuerte Steppnaht an einer aufgesetzten Tasche oder eine wellige Naht an einem Easy-Care-Artikel zerstören den Gebrauchswert und damit die Produktqualität.

Ein Nacharbeiten oder die Reparatur sind oft mit hohem Aufwand verbunden und kostenintensiv. Es lohnt also die Sicherung einer optimalen Nahtqualität durch geeignete Auswahl der Verarbeitungsparameter im Vorfeld. Besonders Nähte an PSA unterliegen einer hohen Beanspruchung. Dabei wird die Belastung durch den intensiven und häufigen Gebrauch und die hohe Zahl an Reinigungszyklen häufig unterschätzt. Die Reklamationspraxis zeigt dies deutlich. Eine sorgfältige Analyse aller Qualitätskriterien einer Naht ermöglicht die Festlegung geeigneter Verarbeitungsparameter um Nahtschäden und Reklamationen ausschließen zu können. 

Die einzelnen Einfluss- bzw. Qualitätskriterien einer Naht und somit auch der Nahtqualität stellen sich im Einzelnen wie folgt dar:

Vieles hängt am Faden

Ein Faktor, welcher jedoch alle oben genannten Kriterien beeinflusst ist der Nähfaden. Sowohl der verwendete  Rohstoff wie auch die Nähfadenkonstruktion haben Einfluss auf die Reißfestigkeit, Scheuerbeständigkeit, Elastizität, Optik, Haptik und Pflegeeigenschaften eines Nähfadens und damit auf die fertige Naht. Bei der Auswahl des Fadens müssen daher alle Eigenschaften betrachtet werden – auch unter dem Aspekt, dass sich diese bezüglich der einzelnen Kriterien der Nahtqualität „gegenseitig im Wege stehen können“. Ein stärkerer und somit dickerer Nähfaden bedeutet z.B. eine bessere Nahtquerreißfestigkeit, kann aber bei einzelnen Stoffqualitäten zu verstärkter Materialverdrängung – und daher erhöhtem Nahtkräuseln - d.h. schlechterer Nahtoptik führen.

Spätere Einsatzgebiete bedenken

Ein weiteres Beispiel: Aufgrund der herausragenden Scheuerbeständigkeit und hohen Reißfestigkeit von Polyamid liegt der Schluss nahe, dass für besonders kritische Nahtpositionen Polyamidnähfäden verarbeitet werden sollten. Zu beachten sind bei der Rohstoffauswahl jedoch auch immer das spätere Einsatzgebiet sowie die Pflegeerfordernisse des Bekleidungsteils. So ist z.B. der Rohstoff Polyamid nicht chlorbeständig – was dann auch auf die daraus hergestellten Nähfäden zutrifft – was wiederum Chlorbehandlungen im Rahmen der Reinigung ausschließt. Des Weiteren weist Polyamid im Vergleich zu Polyester eine schlechtere UV-Beständigkeit auf, was speziell für Produkte, welche häufig und lange dem Tageslicht ausgesetzt sind, zu beachten ist.

Abhilfe durch Nahtänderungen

Zur Verbesserung der Nahtscheuerbeständigkeit eines Bekleidungsteils mit extremer Beanspruchung können auch intensive und kritische Untersuchungen der Nahtpositionen und Verarbeitungsmethoden beitragen. Die Verlegung von Nähten bzw. Änderung der Verarbeitungen (z.B. durch verdeckte Nähte oder Vermeidung von Absteppungen) kann hier Vorteile bringen. Eine generelle Universallösung betreffend des Rohstoffes oder der Nähfadenkonstruktion gibt es also nicht und das Für und Wider für einen Nähfäden sollte Aufgrund der Erfordernisse des Gebrauches – aber auch der Pflege – gründlich abgewogen werden.

Ziel: einwandfreie Nahtqualität

Je konkreter das Anforderungsprofil, umso höher die Chance für eine einwandfreie Nahtqualität. Ist die gewünschte Funktion bekannt, kann es an die Umsetzung gehen. Dabei ist oft Unterstützung gefragt. Informationen über die Eigenschaften einzelner Materialien und deren Eigenschaften, Nähtechnisches Wissen, Verarbeitungshinweise und Anwendungstipps können hilfreich sein, um die Anforderungen perfekt zu erfüllen.

AMANN GROUP
www.amann.com

Kostenlose Info-Broschüre

Weitere Informationen zu Einfluss- bzw. Qualitätskriterien einer Naht hat AMANN in einer Broschüre mit dem Titel "PSA - Schutzkleidung, Arbeitskleidung, Berufskleidung" ausführlich zusammengestellt. Diese kann unter www.amann.com in der Rubrik "Industrienähgarne" kostenlos heruntergeladen werden.

(c) PPF, 2010, No. 2/May